Der Ulmer Ruderclub trauert um seinen Olympiasieger Gerhard Auer

Geschrieben von Hansjörg Käufer.


*29.06.1943     +21.09.2019

Gerhard Auer kam 1966 als Student aus Waltenhofen im Allgäu nach Ulm. Bis dahin war er als Zehnkämpfer aktiv. Auf der Suche nach sportlicher Betätigung gelangte er durch seine Ulmer Vermieter in den Ruderclub. Schnell wurde unter dem damaligen Cheftrainer, Dr. Heinrich Steinle, sein Talent erkannt. Fortan konzentrierte er sich ganz auf den Rudersport.

Ende 1968 wurden seine Fähigkeiten auch vom Deutschen Ruderverband erkannt. Unter dem Konstanzer Trainer Karl-Heinz Bantle wurde ein Vierer mit Gerhard Auer, Peter Berger, Johann Färber und Alois Bierl gegründet. Wegen ihrem beachtlichen Körperbau und ihrer enormen Physis nannten man das Quartett fortan den Bullenvierer. Von 1969 bis zum Olympiasieg am 2. September 1972 in München gewannen Auer und seine Kollegen jedes Rennen, darunter die europäischen Titel 1969 und 1971 in Klagenfurt und Kopenhagen, sowie die Weltmeisterschaft 1970 in St. Catherines/Kanada. Erst vergangenes Wochenende blickte Johann Färber in der SZ auf diese Zeit zurück: "Wir sind vier Jahre durchmarschiert. Wir waren die einzige Mannschaft aus dem Westen, die der DDR damals Paroli bieten konnte. Wir sind gegen elf verschiedene DDR-Vierer gestartet. Die Ruderer, die gegen uns verloren hatten, kamen nie wieder, die wurden in andere Boote versetzt."

1979 zog Auer von Ulm in die Pfalz. Dort leitete er eine Firma, die sich auf die Produktion hochwertiger Massivholzmöbel und gesundes Wohnen spezialisierte. Obwohl er wegen seiner beruflichen Belastung kaum mehr in Ulm sein konnte, blieben seine unglaubliche Trainingsdisziplin und seine Leidenschaft für die nachfolgenden Rennruderer stets greifbar.

In den letzten Monaten hatte Auer immer mehr mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Alois Bierl, der nicht weit weg von Auer wohnt, besuchte ihn. "Er wurde immer schwächer." Am Samstag verstarb Auer in der Klinik in Rodalben/Plalz. "Auf sein Wort konnte man sich immer verlassen", so Bierl.